Kanupolo: Nach dem WM-Titel die Bayerische Meisterschaft

Nach den Weltmeisterschaften in Essen backen die Trainer des PSC Coburg wieder kleinere Brötchen und führen ihre Schülermannschaft zur Bayerischen Meisterschaft in Straubing am 29.09.2002.

Gerade ist es zwei Wochen her, da feierten Katrin Schmalenbach, Trainerin der Kanupolo-Damennationalmannschaft, und Klaus Schmalenbach, Trainer der Kanupolo-Herrennationalmannschaft, die großen Erfolge ihrer Teams bei den 5. Weltmeisterschaften, die dieses Jahr vom 8. bis zum 12. September in Essen stattfanden. Mit 28 Nationen aus allen Kontinenten konnte der Ausrichter Rothe Mühle Essen das bislang größte Meldeergebnis verzeichnen. Neben vielen anderen erlebten auch einige Coburger Fans eine hervorragend organisierte Veranstaltung, die an sieben Tagen zahlreiche spannende Spiele bot. Auf der immer gut gefüllten und am Finaltag voll besetzten Tribüne des Essener Grugabades herrschte stets gute Stimmung und schließlich grenzenloser Jubel, da die Damen genauso wie die Damen U21 und Herren U21 den Weltmeistertitel gewannen. Auch die Herren errangen mit ihrem dritten Rang noch einen Platz auf dem Treppchen, sodass die Bilanz der Deutschen kaum noch zu überbieten war.

Die Damen starteten zunächst als Titelverteidigerinnen sehr nervös in dieses Turnier und unterlagen in der Zwischenrunde Frankreich mit 4:5. Nun mussten sie, Großbritannien, keinen Geringeren als den Europameister 2001, schlagen, um das Halbfinale zu erreichen. Mit dem Rücken an der Wand schienen sie all ihre Nervosität zu vergessen und spielten weltmeisterlich, sodass es am Ende 4:1 gegen die Britinnen hieß. Nun war der Knoten geplatzt. Im Halbfinale setzten sie sich gegen die starken Australierinnen durch. Das Endspiel gegen Frankreich darf mit Fug und Recht als Herzschlagfinale bezeichnet werden, denn genau eine Sekunde vor dem Schlusspfiff markierte die deutsche Centerspielerin den Siegtreffer zum 3:2. Damit führte Katrin Schmalenbach ihr Team wie 2000 in Sao Paulo zum Weltmeistertitel.

Bei den Herren trafen nach einer meist souverän geführten Vor- und Zwischenrunde in der Vorschlussrunde die sechs Top-Teams Großbritannien, Niederlande, Deutschland, Italien, Australien und Frankreich ( Reihenfolge der WM 2000 ) in zwei Vierergruppen aufeinander, die durch die starken Außenseiter Spanien und Taiwan komplettiert wurden. Nur die beiden Gruppenersten würden das Halbfinale erreichen. Von Anfang an war klar, dass Tagesform, Nervenstärke und das nötige Quäntchen Glück bei den sechs Titelanwärtern über Sieg oder Niederlage entscheiden würden. So ging es für die Mannen von Trainer Klaus Schmalenbach nach der 2.:3- Niederlage gegen Großbritannien im folgenden Spiel gegen Australien schon um alles oder nichts. Eindrucksvoll stellten die Deutschen, Europameister 2001, ihre Ambitionen auf den Titel mit einem nie gefährdeten 3:1-Sieg unter Beweis. Nach dem 10:0-Schützenfest gegen Taiwan gelangten sie doch noch sicher ins Halbfinale. Hier warteten die Niederländer auf das deutsche Team. Leider konnten die deutschen Herren in dem von beiden Seiten offen und beherzt geführten Spiel nicht das Gesetz der Serie dieses Jahres, drei Begegnungen, drei holländische Siege, brechen und unterlagen mit 2:5. Auf drei deutsche Lattentreffer folgten schnell zwei Tore der Niederländer, sodass Deutschland gezwungen war, alles auf eine Karte zu setzen. Zwar gelang zweimal der Anschlusstreffer, aber die Holländer nutzten ihre Konterchancen in diesem kraftzehrenden Spiel optimal aus. Nach dieser Niederlage musste im deutschen Team erst einmal Aufbauarbeit geleistet werden, denn nach dem Europameistertitel des Vorjahres war die Enttäuschung angesichts der verpassten WM-Finalteilnahme vor heimischem Publikum groß. Aber die Mannschaft fing sich wieder und wiederholte mit dem 4:2-Sieg über Italien im Spiel um Platz 3 ihren Erfolg von 2000. Ebenfalls eine Kopie des letzten WM-Finales stellte der Sieg Großbritanniens über die Niederländer dar, die wohl noch etwas dem Halbfinale Tribut zollen mussten.


Kaum zurück in heimischen Gefilden kümmerten sich die beiden Coburger Erfolgstrainer wieder um ihre Nachwuchsmannschaft vom PSC Coburg, die sich am Sonntag im Straubinger Freibad den Titel der erstmals ausgespielten Bayerischen Schülermeisterschaft erkämpfte. Nachdem der Coburger Kanupolo-Nachwuchs in der Vorrunde ungefährdet den ersten Rang belegt hatte, traf er im Finale auf den SKC Straubing. Auch die lautstarke heimische Kulisse der Straubinger konnte nicht verhindern, dass der PSC-Coburg in einer furiosen ersten Halbzeit die Weichen auf Sieg stellte. 5:0 hieß es nach zehn Minuten. In der zweiten Halbzeit kamen die Straubinger etwas besser ins Spiel und erzielten den laut bejubelten Ehrentreffer, während die Coburger nicht mehr so konzentriert spielten und nur noch ein Tor zum 6:1 warfen.

Für die Herrenmannschaft des PSC-Coburg reichte es leider nur zum undankbaren 4. Platz. Nach einem recht guten Saisonverlauf ( u. a. Dritter der Süddeutschen Meisterschaft ) hatte man sich zum Abschluss schon mehr erwartet. Und obwohl der PSC nicht in Bestbesetzung antreten konnte, zeigten die Spielverläufe und Resultate, dass alles möglich war. In der Vorrunde trotzten die Coburger dem späteren Bayerischen Meister KV Nürnberg noch ein Unentschieden ab und schlugen den späteren Dritten MTV München. Im Halbfinale mussten sie sich aufgrund einer schwachen Anfangsphase den Nürnbergern mit 6:9 geschlagen geben. Das Spiel um Platz drei war an Dramatik nicht mehr zu überbieten. Nach der regulären Spielzeit stand es 4:4. Das bedeutete Verlängerung mit Golden Goal. Sowohl eine Sekunde vor dem Seitenwechsel als auch kurz vor dem Schlusspfiff trafen die Vestestädter des PSC-Coburg nur den Torrahmen. Im anschließenden Penalty-Werfen bewiesen die Münchner die besseren Nerven und errangen somit Platz drei. Der Abonnementmeister KV Nürnberg war auch dieses Jahr trotz einer beeindruckenden Aufholjagd des SKC Straubing nicht zu stoppen und holte sich mit einem 5:4-Sieg den Titel.

Bei der abschließenden Siegerehrung verwies der Präsident des Bayerischen Kanu-Verbandes, Willi Rogler, mit Blick auf die Zukunft des Kanupolo-Sports in Bayern auf das besonders erfreuliche Novum, dass zum ersten Mal eine Bayerische Schülermeisterschaft ausgerichtet werden konnte. Dies sei allerdings nur möglich, wenn in den Vereinen engagierte Trainer und Helfer zur Verfügung stünden. Ohne Übertreibung darf hier hinzugefügt werden, dass diese Voraussetzungen beim PSC Coburg gegeben sind. Gleichsam hofft der Verein darauf, dass ihn u. a. die Stadt Coburg weiterhin bei seiner Nachwuchsarbeit unterstützt, indem z. B. für die Wintersaison Hallenbadzeiten zur Verfügung gestellt werden.

Im Rahmen der Siegerehrung erklärte der Kanupolowart des Bayerischen Kanu-Verbandes, Thomas Fricke, dass es dieses Jahr von Seiten des Verbandes keine Ehrenpreise gebe, sondern das Geld dem hochwassergeschädigten SC Riesa in Sachsen gespendet werde. Diese kleine Geste der Solidarität wurde reichlich mit Applaus bedacht sowie auch die kurzfristige Initiative des SKC Straubing, für die Schülermannschaften Pokale zu organisieren. So fand eine durch faire Wettkämpfe gekennzeichnete Veranstaltung einen harmonischen Ausklang.